Wo steht der eigene, touristische Content zukünftig im Web?

Auf Workers on the Field, das Blog von Reinhard Lanner läuft derzeit eine sehr interessante Diskussion zum Thema “Tourismusregion löst Webpage auf“. Reinhard Lanner ist Geschäftsführer der Ferienregion Lammertal-Dachstein West GmbH und bittet um Meinungen aus der Branche, wie über die Thematik der Auflösung einer regionalen, touristischen Website gedacht wird.

Dazu an dieser Stelle noch einmal meine Meinung, die ich bereits als Kommentar auf Workers on the Field gepostet habe.

Wir Touristiker sollten aufhören in Websites und Plattformen zu denken, denn das Internet der Zukunft wird nicht mehr aus diesen bestehen, nicht in einer kleinen Region und auch nicht bei einer größeren Landesorganisation.

Wir sollten beginnen, dass Internet als Netz zu verstehen. Im Prinzip ist es mir als Touristiker und Hotelier doch völlig egal wo mein potentieller Gast auf mein Angebot aufmerksam wird. Die Hauptsache ist, es gefällt ihm, es passt und er bucht direkt bei mir, um Vertriebskosten durch Vermittlungsprovisionen zu sparen. Wir sollten beginnen, dieses Netz zu knüpfen und einmal darüber nachdenken, ein verprovisioniertes Vertriebsmodell in Frage zu stellen.

Das angesprochene Netz besteht aus meiner Sicht aus folgenden drei Hauptknotenpunkten;

  • Contentlieferung (Leistungsträger)
  • Contentaggregation, -strukturierung und -verteilung (DMO – Destination Marketing Organisation)
  • Contentsearching (Landesorganisationen)

Die Gastkommunikation liegt dabei immer auf der Ebene der DMO´s und der Leistungsträger.

Landestourismusorganisationen sollten sich als Beispiel Microsoft BING mal etwas genauer ansehen. Sie sind in der Verantwortung die technischen Vorraussetzungen zu schaffen, damit Content im touristischen Netz fließen kann, damit am Ende auf die individuelle Suchanfrage eines Gastes das passende Suchergebnis ausgegeben wird und zwar als dynamischer Content inkl. Backlink zur weiterführenden Information bzw. zum passenden Angebot.

Der Aufbau eines solchen Contentnetzes funktioniert nur dann, wenn wir uns vom Websitedenken verabschieden und einen objektorientierten Denkansatz verfolgen.

Leistungsträger sollten sich Gedanken über ihre Websitetechnik machen. Ist sie dazu fähig, dass das System der DMO den eigenen Content themen- bzw. angebotsspezifisch aggregieren kann ohne ihn dabei völlig aus der Hand zu geben? Hat die Webpräsenz des Leistungsträger darüber hinaus die Möglichkeit, dass ein potentieller Gast eine themen- bzw. angebotsspezifische Transaktion (Dialog, Buchung oder Anfrage) ausführen kann? Falls nicht, dann ist die DMO in der Pflicht, die entsprechenden Vorraussetzungen dafür zu schaffen.

Soziale Netzwerke wie Facebook und Co. sind hervorragend dazu geeignet einen Dialog mit potentiellen, neuen Gästen zu führen und die Bindung zu bestehenden Gästen aufrechtzuerhalten. Sie sind keinesfalls zur Contentspeicherung geeignet, um Kosten für andere Webpräsenzen zu sparen. Nicht vergessen – CONTENT IS THE KING – und Leistungsträger identifizieren sich zu allererst mit sich selbst und dann mit dem eigenen Ort bzw. der eigenen Region.

Mein Fazit: Leistungsträger und DMO´s sollten alles dafür tun, die eigene Vertriebshoheit im Internet zu bewahren und aufpassen, diese nicht an Drittvermittler mit hohem Provisionsmodell zu verlieren. Die Frage nach dem WO STEHT DER EIGENE, TOURISTISCHE CONTENT ZUKÜNFTIG IM WEB erübrigt sich dabei aus meiner Sicht.

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